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Musikkassetten High Com überspielen-digitalisieren - Entlebucher und Emmentaler Musikarchiv

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Musikkassetten High Com überspielen-digitalisieren

Tonstudio Serge Schmid 3550 Langnau


Ich habe die Möglichkeit Kassetten, die mit High Com aufgenommen wurden, mit einem Telefunken - TC 450M 2
zu digitalisieren!


High Com (auch HIGH COM ist ein analoges Rauschunterdrückungssystem, das das Unternehmen Telefunken in den 1970er Jahren entwickelte.

Es war ab 1978 in einigen höherwertigen Kassettenrekordern  erhältlich (erst von Telefunken, dann auch von anderen Herstellern) und  erzielte eine erheblich bessere Rauschunterdrückung als das damals  verbreitete Dolby-B-Verfahren  (max. 20 dB bei High Com verglichen mit max. 9 dB bei Dolby B). Das  System wurde von Telefunken auch als externe Lösung angeboten, schaltbar  zwischen Kassettendeck und Verstärker.

Die bessere Rauschunterdrückung im Vergleich zu Dolby B beruhte auf der Auslegung als Breitbandkompander, also der Einbeziehung des gesamten hörbaren Frequenzbereichs statt nur der hohen Frequenzen.

High Com basiert auf den Erfahrungen, die Telefunken mit dem für die professionellen Aufnahmetechnik entwickelten telcom c4  gemacht hat. Dabei handelte es sich um einen Mehrband-Kompander, bei  dem über eine 4-bandige Frequenzweiche jeweils ein Kompressor/Expander  für einen Frequenzbereich zuständig war.

Vorteile

Tatsächlich waren High-Com-Aufnahmen in leisen Passagen hörbar  rauschärmer als herkömmliche Aufnahmen. Gegenüber dem damals  konkurrierenden Dolby-B-Verfahren wurden außerdem häufig folgende  Vorteile aufgeführt:

  • wesentlich bessere Rauschunterdrückung (s. o.)
  • gute Wirkung auch bei tieffrequenten Störungen
  • Austauschbarkeit, d. h. die Aufnahme auf Gerät A und die Wiedergabe auf Gerät B bereitet keine Probleme
  • weniger Höhendämpfung bei Azimutproblemen
  • keine Präsenzdämpfung bei Azimutproblemen und Höhenübersteuerung
  • Einsatz auch möglich, wenn die Aufnahme gänzlich ohne  Rauschunterdrückungssystem durchgeführt wurde und das Abspielgerät das  manuelle Einschalten von High Com ermöglicht, bzw. mit einem externen  High-Com-Gerät (z. B. Telefunken CN750)

Nachteile

Laut einigen Anwenderberichten war bei kritischen Musikstücken  (Klaviermusik, Soloinstrumente ohne Begleitung) ein starkes  „Rauschpumpen“ zu hören, da mit der Dynamik-Expansion bei der Wiedergabe  auch das Rauschen des Kassettenbandes wechselnd laut hörbar wird, weil  es in den genannten Fällen nicht von dem Nutzsignal verdeckt wird. Diese  Effekte wurden von manchen Menschen als besonders störend empfunden.  Andererseits konnte das Rauschpumpen aber nicht von jedem Anwender  bestätigt werden, im Gegenteil: Laut einigen Berichten tritt „Pumpen“  nur bei älteren High-Com-Versionen oder bei einer Fehlkalibrierung auf.
Die Dolby-B-Rauschunterdrückung hat Vorteile beim Hintergrundrauschen (Pumpen, Fahnen) durch die Sliding-band-Funktion. Plötzlich einsetzende, laute Soloinstrumente (insbesondere Bässe) klingen mit High Com mitunter deutlich abgeschwächt. Noch stärker traten diese Effekte bei den konkurrierenden Rauschunterdrückungssystemen dbx und adres (von Toshiba) in Erscheinung.

Verbesserungen am High-Com-System

Im Laufe der Jahre gab es mehrmals Verbesserungen an Telefunkens  High-Com-Chip. So konnten die ersten Systeme lediglich mit High Com  aufnehmen und wiedergeben, nicht jedoch mit Dolby B. Damit waren mit  Dolby B bespielte Kassetten nur bedingt verwendbar. Die zweite  High-Com-Generation hatte ein integriertes Verfahren namens DNR  (Dynamic Noise Reduction), mit dem man auch Dolby-B-codierte Kassetten  adäquat abspielen konnte (es gab einen zu Dolby B kompatiblen Expander).  Die dritte High-Com-Generation, eingesetzt bei Akai, aber auch im  Telefunken RC200 und RC300 zu finden, konnte sogar mit DNR aufzeichnen.  Damit war eine Art Dolby B integriert, das sogar ohne Höhenverlust  funktionierte (besser als fast alle Dolby-B-Systeme).

Um 1979 erschienen von Telefunken Publikationen zu  Weiterentwicklungen des Systems als 2-Band- und 3-Band-Kompander nach  dem Kettenverstärkerprinzip unter den Namen High Com II und High Com  III.
Das High-Com-II-System wurde ab 1979/1980 vom Unternehmen Nakamichi unter dem Namen Nakamichi High Com II Noise Reduction System  in Form externer Kompandereinheiten auf den Markt gebracht. In dieser  Form erzielte das an beliebige Stereo-Bandmaschinen und  -Kassettenrekorder anschließbare System etwa 25 dB Dynamikgewinn. Dabei  wurden für jeden der beiden Stereokanäle zwei High-Com-Bausteine des  Typs TFK U401B eingesetzt, die jeweils durch eine Frequenzweiche auf  unterschiedliche Frequenzbänder wirkten, was zu deutlich verringertem  Rauschatmen und geringeren Artefakten führte. Gleichzeitig war das  Verfahren kaum anfällig für Störungen durch Drop-out-Fehler oder  stärkere Hochtondämpfung durch Azimutfehler.  Mittels eingebautem Prüftongenerator, Pegelreglern und  Aussteuerungsanzeigen ließ sich das System optimal an die jeweiligen  Aufnahme- und Wiedergabegeräte und das verwendete Bandmaterial anpassen,  ähnlich der Play-Trim-Regelung späterer Dolby-Geräte (siehe Abschnitt Historische Entwicklung).  Nachteilig an der aufwendigen Realisierung war, dass man für  Hinterbandkontrolle gleich zwei solche Geräte benötigte, so dass sich  das System wegen der hohen Kosten nicht sehr weit verbreiten konnte.

Auch Telefunken hat im Laufe der Jahre mehrere Verbesserungen an  der externen Beschaltung durchgeführt, zunächst durch Verwendung anderer  Zeitglieder für eine längere Abklingzeitkonstante, um damit die  Verzerrungen im Bassbereich zu verbessern, später dann durch eine  zusätzliche Beschaltung mit einigen Transistoren und passiven Bauteilen.  Die Funkschau  26/1982 schreibt dazu: „Die Systemmodifikation setzt in diesem Fall  nicht bei der Dimensionierung der Zeitwerte ein, sondern es wird der  zeitliche Übergang der abklingenden Regelspannung optimiert. In der  bisherigen Systemauslegung wurde beim Erkennen des schnellen  Pegelabfalls (nach Ablauf der Haltezeit) abrupt von der langen  Abklingzeitkonstante auf den kurzen Wert umgeschaltet. Dies hatte zur  Folge, daß bereits wenige Millisekunden nach diesem Vorgang relativ  große Verstärkungsänderungen auftraten. Daraus ergab sich im Falle von  ‚Drop-outs‘ oder stärkerem ‚Mistracking‘ die Gefahr hörbarer  Dynamikfehler (teilweise auch als ‚Pumpen‘ bezeichnet). Die  Systemmodifikation ergibt für den genannten Wechsel von langer zu kurzer  Zeitkonstante einen weichen Übergang. Diese Änderung wird auch als  Verrundung oder ‚soft-switching‘ bezeichnet und bewirkt eine wesentliche  Beruhigung des dynamischen Systemverhaltens, so daß selbst unter  kritischen Signal- und Toleranzbedingungen eine in der Praxis  vollständige Maskierung der zuvor geschilderten Gegebenheiten eintritt.

Historische Entwicklung

In den ersten Jahren gab es eine regelrechte High-Com-Euphorie,  versprach das neue System doch erstmals praktisch rauschfreie  Tonaufnahmen auf der damals verbreiteten und eben ziemlich  bandrauschenden Compact Cassette. Die bekannte WDR-Fernsehsendung Hobbythek  brachte in den frühen 1980er Jahren sogar einen „HobbyCom“-Bausatz  heraus, ein mit Original-Telefunken-Platinen ausgerüstetes kleines  Do-it-yourself-Gerät zum Dazwischenschalten, mit dem herkömmliche  Kassettenrekorder in den Genuss der High-Com-Rauschunterdrückung kamen.

Zwischenzeitlich war auch die Einführung einer speziellen  Variante von Telefunkens „High Com FM“ (mit verminderter Kompression)  für den deutschen UKW-Rundfunk geplant, bei dem das Signal senderseitig  komprimiert und empfängerseitig expandiert werden sollte. Der Empfänger  hätte komprimierte Sendungen an einer auf den Stereo-Pilotton  aufmodulierten Kennung (ähnlich wie Verkehrsfunk) erkannt und den  Expander bei Bedarf zuschalten können. Durch die spezielle Anpassung  wäre ein Abhören auch ohne Expandierung bei guter Qualität möglich  gewesen. Dieses System wurde aber nur testweise während der Messe  hifivideo 1982 eingeführt

Auch wenn zwischenzeitlich viele Hersteller Kassettengeräte mit  High Com auf den Markt brachten, konnte es sich letztlich nicht  durchsetzen.

Mögliche Gründe dafür:

  • High-Com-Aufnahmen benötigen zwingend ein  High-Com-Kassettengerät zum Abspielen; eine Wiedergabe ohne die  notwendige High-Com-Entzerrung klingt unzumutbar schlecht. Anders beim  konkurrierenden Dolby B: Eine Wiedergabe ohne Dolby-B-Entzerrung  verzichtet zwar auf die Rauschminderung, klingt aber akzeptabel und  lediglich ein wenig höhenbetont – was billigen Abspielgeräten sogar  entgegenkam.
  • Die ersten High-Com-Kassettengeräte hatten kein Dolby B, so dass  Dolby-B-Aufnahmen auf den neuen Geräten nicht adäquat abgespielt werden  konnten. Dieser Nachteil wurde aber bald behoben.
  • Vermutlich der wichtigste Grund für das Scheitern von High Com war  die Einführung von Dolby C im Jahre 1980. Dolby C bietet gegenüber Dolby  B eine deutlich verbesserte Rauschunterdrückung (ca. 16 dB), wobei die  unerwünschten Nebeneffekte („Rauschpumpen“, Dynamikverzerrungen)  deutlich kleiner als bei High Com waren. Alle Dolby-C-Rekorder hatten  außerdem auch einen Schalter für Dolby B. Bisherige Aufnahmen konnten  also problemlos weitergehört werden (was mit dem o. g. DNR aber auch  funktionierte).
  • In vielen Fällen bewirkte das neuere Dolby C immer noch – wie sein  Vorgänger – Höhenverzerrungen, d. h. Aufnahmen mit High Com klangen  mitunter besser als solche mit Dolby C. Möglicherweise waren aber die  Lizenzbedingungen und -kosten von Telefunken zu restriktiv oder der  Werbe-Etat war zu gering, um sich gegen die weltweit agierenden  Dolby-Laboratorien wirtschaftlich durchzusetzen. Dolby C setzte zudem  den Schlusspunkt unter eine Art Kompanderkrieg. Neben Telefunkens  High Com buhlten Sanyos SuperD, Toshibas Adres und dbx um die Käufergunst. Dolby-Gründer Ray Dolby,  der zunächst gar keine Notwendigkeit sah, ein besseres System als sein  Dolby B zu entwickeln, ließ sich von den – meist japanischen –  Herstellern von Cassettenrecordern aber überzeugen, dass die Zeit reif  für eine bessere Rauschunterdrückung sei. Bei der Entwicklung von Dolby C  konnte er die Schwächen der Konkurrenz-Kompander studieren und in  seinem System vermeiden.

Schließlich gibt es aus heutiger Sicht noch einen weiteren Nachteil  von High Com: Bei älteren High-Com-Aufnahmen, deren Magnetisierung durch  die Lagerung gelitten hat, werden die daraus resultierenden Fehler  durch die starke Entzerrung verstärkt. Somit sind alte  High-Com-Aufnahmen nach langer Lagerung oft nicht mehr adäquat  abspielbar. Bei Dolby B und C gibt es dieses Problem zwar auch, für  diese Systeme wurde von NAD  und Dolby aber die sogenannte Play-Trim-Regelung entwickelt, mit deren  Hilfe ein bandseitig fehlerhafter Hochtonfrequenzgang vor der  Dynamikexpansion korrigiert werden kann. Bei Nakamichis High Com II  stellte das kein Problem dar, da die Kompander nachträglich vom Benutzer  eingepegelt werden konnten. Ein vom Kompander bei Bedarf am Anfang des  Bands aufgenommener Kalibrierton war für die nachträgliche Justage der  Wiedergabekette sehr nützlich.

Die letzten High-Com-Kassettenrekorder wurden etwa Ende 1986 verkauft.

Serge Schmid

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